Geschichte

Kalmreuth im 15. bis 18. Jahrhundert

Kalmreuth. Die Entwicklung des nachmaligen Landsassengutes Kalmreuth geht — soweit erkennbar — von einem Eintrag im Salbuch der luxemburgischen Besitzungen K. Karls IV. aus, durch den kundbar wird, das Ulrich Stürgans zu Kalmreuth und Schwarzenbach, einer späteren Wüstung, 4 Höfe besessen habe. Die Anwesen gehörten zur Burghut Floß, deren Teil „genannt Kalmreuth“ König Ruprecht 1403 an Konrad Armannsreuther verlieh.

In der Eigenschaft als zur Burghut Floß gehörig und Lehen des Landesherrn erscheint der übrigens in nächster Nähe des einstmaligen Berchtesgadener Gutsbezirkes Münchshof gelegene Gutsbesitz Kalmreuth auch wieder zur Mitte des 15. Jahrhunderts und da in der Besitzinhabung jenes adeligen Geschlechtes, das dann bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts Gutsherr auf Kalmreuth geblieben ist, der Schirndinger.

Mit der Nennung von 3 Höfen in Kalmreuth, 2 in Meierhof und 3 in Edelhof als Lehenobjekte dieser Vergabe im Jahr 1452 an Mathes Schirndinger ist zugleich auch der zur Gutsherrschaft gehörige Besitzumfang umschrieben, der bis in das 19. Jahrhundert hinein sich nicht weiter verändert hat.

Die im erstmaligen aktenkundlichen Beleg ersichtliche Bezugnahme auf Schwarzenbach ist als Beziehung zu Kalmreuth auch noch im 16. Jahrhundert belegt, indem Niedernfloß von dem grund und boden, so zum öden hof, der Schwarzenbach genannt, hört, zur Zinsleistung nach Kalmreuth verpflichtet war und der Gutsherr von Kalmreuth sich ausdrücklich alle Dienstbarkeit und niedergerichtliche Befugnisse vorbehielt, sofern auf der Ode Schwarzenbach ein Hof erbaut und darauf Mannschaft angesetzt würde. Im Floßer Salbuch von 1598 heißt es: Kalmreuth soll ein burggut sein, gehet von meinem gnedigen herrn zu lehen. Hat bewonet Balthasar, jetzunt Hans Erhardt von Schürnding, seint bede, vater und son, des (15)86 und (15)87 jährs verstorben. Hat jetziger zeit mit der mühl 8 mannschaft; zu Etteldorff, auch im ambt, 3 mannschaft, zum Albernhof in der obrigkeit 1 mannschaft.

Der letzte männliche Erbe des Landsassengutes aus dem Geschlecht der Schirndinger, Johann Friedrich von Schirnding auf Kalmreuth, starb im Jahr 1685. Dadurch fiel das apert gewordene Lehengut an den Landesherrn Pfalzgrafen Christian August zurück. Sogleich wurde eine Kaufabredevorbereitet, ohne zunächst noch einen bestimmten Kaufinteressenten in Aussicht zu haben. Auch wurde gleichzeitig der Text der Übergabe-Urkunde zugleich als Lehenbrief konzipiert, indem auch hier die einzelnen Bedingungen, unter denen der Verkauf getätigt werden sollte, festgelegt wurden.

Im einzelnen war vorgesehen, dass der für den Wiederaufbau des durch Brand zerstörten Gutes zur Verfügung gestellte Betrag zurückerstattet würde, weiters sollte der Witwe Maria Beate v. Schirnding sowie den beiden Schwestern v. Schirnding das ihnen auf dem Gut Kalmreuth sichergestellte Heiratsgut beziehungsweise mütterliche Erbe durch Bapeld abgelöst werden und schließlich waren alle steuerlichen und anderen Verpflichtungen auch die von den Landständen ferner beschlossenen — so zu erfüllen, wie es einem getreuen landsassen und lebensvasall eignet und zu thun oblieget.
Nachfolger auf dem Landsassengut Kalmreuth wurden Andreas Lazarus von Imhof, seit 9. Mai 1687 Pfleger im Amt Floß und sonst sulzbachischer Hofrat sowie Lehenprobst im Fürstentum Sulzbach, und 1703 Georg Christoph v. Gravenreuth, der nach dem Tod seiner ersten, 1722 kinderlos gestorbenen Gemahlin Erdmuth Sophie von Thüna in zweiter Ehe Maria Magdalena Junker aus dem Egerer Patrizieraeschlecht der Junker von Oberkunreuth heiratete. Im Alter von ungefähr 69 Jahren starb Georg Christoph v. Gravenreuth am 6. März 1736, nachdem er kurz zuvor das Gut an Christian Friedrich von Podewils veräußert hatte. Dessen Sohn Christian v. Podewils hatte das Landsassengut Kalmreuth dann über die Jahrhundertwende in Besitz.